56 stimmberechtigte Mitglieder des FC Viktoria 09 St. Ingbert e.V. kamen zur diesjährigen Jahreshauptversammlung ins Clubheim – und blieben über dreieinhalb Stunden, in denen der Traditionsverein zentrale Weichen für die Zukunft stellte. Neben turnusmäßigen Neuwahlen verabschiedete die Versammlung einstimmig eine grundlegend überarbeitete Vereinssatzung und beschloss eine moderate Beitragserhöhung.
Der 1. Vorsitzende Alexander Jene eröffnete die Sitzung und blickte mit dem 1. Kassierer sowie den Abteilungsleitungen auf das Vereinsjahr zurück. Finanzielle Stabilität trifft auf steigende Kosten: Der Aufwand liegt inzwischen konstant hoch. Auf dem Platz zeigt sich ein differenziertes Bild. Die erste Mannschaft kämpft mit personellen Engpässen, ist mit ihrem jungen Kader jedoch „auf einem guten Weg“. Größere Sorgen bereitet die zweite Mannschaft – einmal musste der Spielbetrieb bereits abgemeldet werden.
Glänzen kann erneut die Jugend: Rund 190 Nachwuchsspieler machen Viktoria St. Ingbert zu einer der größten Jugendabteilungen im Saarpfalz-Kreis. Jugendleiter-Duo Dirk Stolz und Michael Neumann erhält für seine Arbeit großes Lob, auch für die starke Kooperation mit der DJK St. Ingbert ab der B-Jugend. Dennoch gibt es eine „kleine Delle“ in älteren Jahrgängen und neuerdings in der G-Jugend – Hauptgrund: zu wenige Trainer. Bei den Alten Herren sorgt ein Generationenwechsel für frischen Wind, die Spielbeteiligung ist seit Corona rückläufig: Das traditionelle Kerwespiel fiel sogar aus – „ein absoluter Tiefpunkt“, so AH-Leiter Matthias Schappert. Organisatorisch bleibt die AH-Abteilung bei Festen ein Zugpferd.
Kristian König präsentierte die Neufassung der Satzung – ein Projekt, das über 1,5 Jahre in Zusammenarbeit mit Notar Dr. Kyrill Schaefer und seiner Frau Ute gereift ist. Die bisherige Fassung von 1983 sei „nicht mehr zeitgemäß“. Herzstück der Reform: eine neue Vorstandsstruktur nach Ressorts. Anstelle der klassischen Ämter (1., 2., 3. Vorsitzender, Kassierer, Geschäftsführer, Pressesprecher) besteht der Vorstand künftig aus drei bis maximal fünf Mitgliedern mit klar abgegrenzten Aufgabenbereichen. Pflichtämter sind Vorstandsvorsitzender, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand. Ergänzend können zwei weitere Ressorts besetzt werden – identifiziert wurden „Sportliche Leitung“, „Veranstaltungen und Festivitäten“, „Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring“ sowie „Infrastruktur und Vereinsentwicklung“.
Auch der Verwaltungsrat wird kleiner: von sechs auf drei Beisitzer, zuzüglich der Abteilungsleitungen. Das Amt des Alterspräsidenten entfällt. Die Folge: Der Gesamtvorstand schrumpft von 17 auf künftig 9 bis 11 Personen. „Viele Posten waren zuletzt unbesetzt oder in Personalunion geführt“, erklärte König. Ein neues Ausschusssystem soll mehr Mitglieder projektbezogen einbinden – ohne langfristige Amtspflichten, aber mit klarer Verantwortung für konkrete Aufgaben. Die Versammlung stimmte der Satzung geschlossen zu; nun folgt die Eintragung ins Vereinsregister – „hoffentlich reibungslos“, wie König augenzwinkernd anmerkte.
Gemäß neuer Struktur wurde Alexander Jene als Vorstandsvorsitzender bestätigt (Ressorts: Vereinsführung sowie Veranstaltungen/Festivitäten) – er geht in sein 14. Amtsjahr. Mit besonderem Dank verabschiedete Jene den bisherigen 2. Vorsitzenden Uwe Sworski, der sich künftig im Obst- und Gartenbauverein Ommersheim engagiert: „Er hat sein Amt angetreten, als es dem Verein richtig schlecht ging.“ Neuer stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist Kristian König (Ressorts: Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring sowie Vereinsentwicklung und Infrastruktur, bisher Geschäftsführer). „Kristian engagiert sich über alle Maße“, lobte Jene. Zum Finanzvorstand wurde Andreas Löffler (bisher 1. Kassierer) berufen, die Sportliche Leitung übernimmt Dirk Stolz (bisher Jugendleiter). Jene: „Dirk erledigt Aufgaben weit über seine Zuständigkeit hinaus – die neue Position würdigt das.“
Im Verwaltungsrat treten Jörg Wartenphul, Ulrike Potdevin, Klaus Ducke, Jonas Kalmes, Marius Thielen, Jan Rudolph und Benjamin Neupert nicht mehr an – alle erhielten Dank für ihr Engagement. Marius Thielen verantwortet künftig „nur“ die Abteilungsleitung Aktive. In der Jugend leitet nun Michael Neumann, bei den Alten Herren bleiben Matthias Schappert und Tobias Keller am Ruder. Die drei freien Verwaltungsratssitze übernehmen Julian Dill, Aljoscha Schmid und Dirk Bludau. Bludau (vormals 3. Vorsitzender) bleibt dem Gesamtvorstand erhalten, tritt aber aus der ersten Reihe zurück. Über Julian Dill sagte Jene: „Ein absolutes Positivbeispiel – er hat spontan als Trainer übernommen, macht hervorragende Arbeit und betreut seit einigen Monaten den Social-Media-Kanal.“
Einstimmig (bei einer Enthaltung) wurde eine Beitragserhöhung beschlossen: Die Einzelmitgliedschaft steigt von 8 auf 10 Euro pro Monat, die Familienmitgliedschaft von 12 auf 15 Euro. Begründung: höhere Energiepreise und gestiegene Platzpflegekosten. Seit der Kündigung des Pachtvertrags mit der Stadt St. Ingbert zur Förderung der LED-Flutlichtanlage seien die Ausgaben deutlich angestiegen, so Jene.
Mit moderner Satzung, gestrafften Strukturen und motivierten, teils jungen Gesichtern im Gesamtvorstand richtet der FC Viktoria 09 St. Ingbert den Blick nach vorn – in der Hoffnung, dass auch künftig viele Mitglieder Verantwortung übernehmen, sich einbringen und den Verein aktiv mitgestalten. Sportlich gilt es, die positive Entwicklung der Jugend in die Aktiven zu tragen und die zweite Mannschaft zu stabilisieren. Organisatorisch setzt der Verein auf Projektarbeit, klare Ressorts und mehr Freiwilligenengagement – ein Kurswechsel mit sportlicher Perspektive.