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Krutsch: "Keine richtige Vollkontaktsportart"    [Ändern]

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VERFASST VON Marc Schaber, 29. April 2021

Der DFB bemüht sich weiter die Politik von der Wichtigkeit des Fußballsports zu überzeugen. "Die Kollateralschäden des Sport-Lockdowns treten immer deutlicher zutage. Kritische Stimmen werden insbesondere im Hinblick auf die Folgen für Kinder und Jugendliche lauter.", heißt es von DFB-Seite. Prof. Dr. Werner Krutsch klärt auf der DFB-Webseite über die aktuelle Situation auf. Der 41-Jährige ist Mitglied der DFL/DFB-Taskforce Sportmedizin, Verbandsarzt beim Bayerischen Fußballverband und ehemaliger Fußballer.
Krutsch hat eine klare Meinung zum Fußball-Trainingsbetrieb in Corona-Zeiten: "Der Fußball hat im Vergleich zu anderen Sportarten zwei Vorteile. Er wird erstens im Freien ausgeübt und es handelt sich im Gegensatz zur landläufigen Meinung auch nicht um eine richtige Vollkontaktsportart. Der Fußball hat sich taktisch weiterentwickelt. Der klassische Manndecker, der seinem Gegenspieler über 90 Minuten nicht von der Seite weicht, ist Geschichte. Unsere Studien und Analysen zu den Kontaktzeiten im Profi- und Amateurfußball zeigen, dass es bei Spielen zu sehr unregelmäßigen Kontakten von wenigen Sekunden kommt und die Ansteckungsgefahr vernachlässigbar gering ist."
Krutsch gibt auch Tipps für einen coronakonformen Trainingsbetrieb. Dort geht es vor allem darum längere Kontaktzeiten zu vermeiden. "Aus diesem Grund sollte in den Trainingseinheiten während der Pandemie auf alle Übungsformen und Zusammenkünfte verzichtet werden, in denen sich Personen über einen längeren Zeitraum Kopf-an-Kopf begegnen. Kräftigungsübungen oder Stretching in Zweiergruppen mit Körperkontakt oder eine längere Teambesprechung im Pulk sind aktuell zum Beispiel zu vermeiden." Auch rund um das Training müssen die Vereine wachsam sein: "Das ist ein zentraler Aspekt. Im Indoorbereich müssen die Hygieneregeln zwingend eingehalten werden: Abstand halten, Maske tragen, Umkleidekabinen zeitlich versetzt benutzen. Die Amateurvereine haben im vergangenen Sommer bewiesen, dass sie die Hygienekonzepte diszipliniert umsetzen. Zudem wird das Wetter immer besser, häufig kann also auf eine Nutzung der Kabinen für Besprechungen verzichtet werden oder alle Fußballer*innen können bereits umgezogen zum Platz kommen."
Auch Krutsch befürwortet eine schnelle Rückkehr zum Trainingsbetrieb: "Wir nehmen basierend auf wissenschaftlichen Daten an, dass von einem Fußballtraining im Freien keine Infektionsgefahr ausgeht." Er sieht auch eine Begrenzung der Spielerzahl als überflüssig an: "Nein, ein Training, wie beschrieben, ist unproblematisch und sollte ab sofort wieder möglich sein: Der Spielbetrieb muss dann mit den jeweiligen Verbänden geklärt werden.", so Krutsch, der aber auch weiß, warum sich die Politik in Zurückhaltung übt. "Das lässt sich schon erklären, auch wenn es teilweise nicht einfach zu vermitteln ist. Die Entscheidungen hängen von Einschätzungen zum Ansteckungsrisiko im Outdoorsport ab. Auch das Vertrauen in die Disziplin bei der Einhaltung der Hygienekonzepte im Indoor-Bereich steht auf dem Prüfstand. Hier werbe ich für eine realistische Einschätzung der Infektionsgefahr, die vom Sport im Freien ausgeht. Auch die Gesellschaft für Aerosolforschung fordert einen anderen Umgang mit Aktivitäten im Freien und stützt sich ebenfalls auf aktuelle Studien, die die Ergebnisse unserer eigenen Studien gut erklären."
Auch gesundheitspolitisch kommt dem Fußball eine große Bedeutung zu, "denn Fußball zeigt nachweislich durch Forschungsarbeiten bewiesene gesundheitsprotektive Effekte. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind für ihre Entwicklung auf das soziale Gefüge, das der Sport ihnen bietet, angewiesen. Das ist elementar für die Entwicklung der Kinder. Die Freigabe von Fußball stellt aus meiner Sicht eine Lösung für einige aktuelle Probleme mit dem fehlenden Sport beim Homeschooling dar und könnte auch Kindern ein Sportangebot bieten, die jetzt nach Sport oder Abwechslung lechzen.", so Krutsch. "Ich möchte mich für den Mannschaftssport im Freien stark machen, weil er überwältigende Vorteile mit sich bringt. Er bietet Kindern die Möglichkeit, die Einschränkungen in Indoor-Bereichen wie der Schule zu kompensieren. Fußball ist ein Teil der Lösung. Viele Kinder haben den Sport im Verein erst kürzlich kennengelernt, sind nun jedoch schon seit langer Zeit gezwungen, sich Alternativen zu suchen. Andere geben an, mit dem Sport aufzuhören. Unsere Kinder sitzen mehr zu Hause, sind länger online oder spielen am Tablet – mit eigentlich bekannten Folgen auf den Stoffwechsel, das Selbstvertrauen und die Fitness der Kids. Was mich besorgt: Unsere Kinder und Jugendlichen gewöhnen sich durch den sehr langen Lockdown Verhaltensweisen an, von denen wir nicht wissen, ob und wie es uns nach der Pandemie gelingen wird, sie wieder zu verändern."





 
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Autor:
Marc Schaber, 29. April 2021

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