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Datenschutzskandal im DFBnet    [Ändern]

Die Internetseite des Verbands offenbart eine große Sicherheitslücke: Ohne große Mühe kann jedermann an private Telefonnummern und Adressen gelangen – vom einfachen Amateurkicker bis zum Nationalspieler.

Den 16. Oktober sollten sich die Herren beim DFB schon mal rot im Kalender anstreichen. Dann wird in Bielefeld wieder ein Preis vergeben, den keiner haben will: der „Big Brother Award“ für Datenschutzsünder. Der DFB hat gute Chancen, zum zweiten Mal nach 2005 den Negativ-Preis vom „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs“ (FoeBuD) zu erhalten. Denn das DFB-Intranet offenbart eine ungeheure Sicherheitslücke. SPORT BILD enthüllt: Mühelos ist es im „DFBnet“ mehreren hunderttausend Nutzern möglich, über ihren Computer an private Daten von 6,7 Millionen DFB-Mitgliedern zu gelangen. Es handelt sich dabei nicht nur um private Informationen von Amateurfußballern, sondern auch um eigentlich geheim verwaltete Daten von namhaften Profis wie den Nationalspielern Christoph Metzelder (Real Madrid) und Andreas Beck (Hoffenheim)! Aber auch berühmte Trainer wie Ottmar Hitzfeld oder Bernd Schuster sind betroffen. Nur ein paar Klicks, und schon liegen deren Privatadressen sowie Nummer von Heimtelefon und Handy vor.
Rena Tangens, Mitgründerin des FoeBuD und Organisatorin des Big Brother Awards, stellt den DFB in eine Reihe mit der Telekom, der Deutschen Bahn und der Landesbank Berlin – jene Konzerne, die zuletzt für Datenschutz-Skandale gesorgt haben: „Es ist eine ungeheuerliche Schlamperei, dass private Daten vom DFB zentral im Internet für jedermann verfügbar gemacht werden. Auch Fußballspieler haben ein Recht auf Privatsphäre – nicht nur die Promis, sondern auch die Müllers, Schulzes und Meiers.“
Zu den Vorwürfen stellt DFB-Präsident Theo Zwanziger zunächst klar: „Das DFBnet gehört zum Verantwortungsbereich der DFB Medien GmbH.“ Er betont: „Wir legen größten Wert auf Datenschutz und wollen den Hinweis der SPORT BILD überprüfen. Wenn technische oder juristische Fehler gemacht wurden, müssen diese behoben und geahndet werden.“ Tangens verweist auf die Gefahren: „Mit Adresse und Geburtsdatum können Leute, die Böses im Schilde führen, schon eine ganze Menge Schindluder treiben.“ Es geht nicht nur um geplünderte Konten: „Auch für Einbrecher ist eine solche Datei interessant. Wer etwa beim FC Bayern spielt, dürfte nicht zu den Geringverdienern gehören. Oder es könnten Fälle von Stalking passieren, Leute könnten prominenten Spielern, gerade Spielerinnen, vor dem Haus auflauern.“ Auch die Daten von Bundestrainerin Silvia Neid und Nationalspielerin Birgit Prinz stehen im DFBnet.
So einfach sind private Daten zugänglich: Jeder der fast 26.000 im DFB organisierten Vereine kann sich mit Kennnummer und Passwort ins DFBnet einwählen, um Teams, Trainer etc. zu melden. In dem Portal werden, so die DFB Medien GmbH, „Millionen von Spielberechtigungen verwaltet, Lizenzen von Trainern und Schiedsrichtern gepflegt sowie das Adressmanagement und die Prozessabläufe optimiert“. Doch wer will, kann auch den Suchmodus nutzen – und z.B. den Namen „Mehmet Scholl“ eingeben. Sofort tauchen die privaten Daten des ehemaligen Bayern-Stars, der inzwischen die Drittliga-Truppe des Rekordmeisters trainiert, groß auf dem Bildschirm auf.
Eigentlich sollten nur Vereinsvorsitzende das Passwort kennen und sich im DFBnet anmelden. Doch die Praxis sieht anders aus: Weil Ehrenamtlichen die Zeit fehlt, zig Mannschaften mit Namen der Spieler und Geburtsjahr einzugeben, wird die Aufgabe oft delegiert: an Trainer, Spiel- und Jugendleiter oder andere. Wenn nur zehn Trainer oder Betreuer pro Verein das jeweilige Passwort kennen, bedeutet das: 260.000 Menschen haben Zugriff auf die DFB-Datenbank. „Durch Passwörter, die bei 26.000 Vereinen unterwegs sind, ist eine solche Datenbank gar nicht geschützt“, so Tangens. „Ich habe den Eindruck, dass das dem DFB egal ist. Er ist ja nicht zum ersten Mal aufgefallen. Der DFB ist ignorant, selbstherrlich und uneinsichtig.“
Schon 2005 kritisierten die Datenschützer den DFB, weil dieser Daten von Fans erhob, die sich für ein Ticket zur WM 2006 registrieren ließen. Tangens: „Da wurden unendlich viele Sachen abgefragt, die für den Kauf einer Karte wirklich nicht erforderlich sind, mit denen aber die Werbewirtschaft sehr viel anfangen kann. Schon damals war den Leuten nicht klar, an wen ihre Daten weitergegeben werden.“ Jetzt kriminalisiert sie den DFB: „Was da passiert, ist illegal – es sein denn, es stünde in der Vereinssatzung, dass Mitglieder einverstanden sind, dass ihre Daten so öffentlich gemacht werden. Oder wenn jedes einzelne Mitglied sein Einverständnis dazu gegeben hätte.“

Daniela Seegmüller, 19. Juli 2009

Quelle: 

SPORT BILD, Nr. 29, 15. Juli 2009, Seiten 36 - 38

 
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